Ein guter Event-Regisseur hat alle Fäden in der Hand!

Nicht erst die Pandemie hat gezeigt, warum es sich lohnt, bei Veranstaltungen immer einen erfahrenen Kapitän mit an Bord zu holen. Denn das Schiff „Live-Event“ soll ja schließlich pünktlich und zielsicher im Hafen „Zielgruppe“ anlanden. Worauf es beim Job des Event-Regisseurs ankommt, darüber habe ich mit dem Ablaufregisseur und Autor Chris Cuhls gesprochen.


Chris Cuhls
Alles im Blick - beim Event-Regisseur ist es wie auf der Kommandobrücke eines Schiffes: Hier laufen alle Fäden zusammen! Bild: © Helge Thomas

Der Job des Event-Regisseurs ist facettenreich: von der Kommunikation über die Psychologie, das Gespür für den Moment und das Gegenüber sowie die Kreativität in der Umsetzung. Müssen Event-Regisseure spezialisierte Allrounder sein?

CC: Ja, das trifft es gut. Der Blick für das große Ganze, aber auch die Details sind wichtig, um dann mit Ruhe Events auf den Punkt zu bringen – egal ob analog, digital oder hybrid. Das Handwerkszeug ist dabei die Inszenierung. Für mich ist das die Kombination zweier Dinge: der Inhalt des Kunden und dann die Verpackung, die meine Leistung ausmacht. Dabei bediene ich mich der Erkenntnisse von Dramaturgie und Storytelling.

Womit startet jedes Projekt bei dir?


CC: An erster Stelle steht für mich zunächst die Kernfrage der Kommunikation: Welche BOTSCHAFT soll welche ZIELGRUPPE über welche KANÄLE erreichen, damit welche WIRKUNG erzielt wird? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann ich mit dem gesamten Eventteam die Show, den Stream oder die Konferenz entsprechend gestalten. Letztlich will ja jeder – vom Kunden bis zum Techniker – mit seiner Arbeit Resonanz bewirken.


Und wie gelingt das...?


CC: Theoretisch ist das alles ganz einfach – in der Praxis ist es dann aber doch oft recht komplex! Als Event-Regisseur schlage ich die Brücke zwischen den Protagonisten auf der Bühne, den kreativen Ideen des Konzepts - ob von Kundeseite oder Agentur - sowie den Technikern. So gestalte ich eindrucksvolle Momente, um die Show für den Veranstalter, die Gäste und die technische Crew perfekt wirken zu lassen. Dabei geht es darum, Zuschauer zu Teilnehmenden zu machen und emotional zu erreichen. Durch die Art und Weise der Begegnung fördern wir Beziehungen, an die Unternehmen dann anknüpfen können. Was mich dabei jedes Mal wieder neu kitzelt: Dass es LIVE ist!


Bei Online-Veranstaltungen bleibt oftmals ein Großteil der Dynamik auf der Strecke. Mit welchen dramaturgischen Mitteln hältst du Teilnehmende eines Online-Events bei der Stange und sorgst für ein echtes Involvement?


CC: Das ist zunächst eine Haltungsfrage: Will ich Zuschauende oder Teilnehmende? Entsprechend muss das Programm gestaltet werden – und da gibt es eine Fülle guter Möglichkeiten für Interaktion. Wichtig ist aber auch, dass in Social Media Zeiten die Aufmerksamkeit massiv leidet. Daher gilt es, permanent neue Reize zu setzen. Das können Redner- und Bildwechsel, Musik sowie Filme leisten. Vorausgesetzt: Die Inhalte sind relevant und auf das wesentlich Neue reduziert.


Was birgt mehr Herausforderungen? Die Konzeption und Umsetzung für ein Live- oder ein Online-Format? Inwieweit ändert sich die Kommunikation unter den verschiedenen Gewerken und Beteiligten wie z. B. Ton, Kamera, Band, Speaker, Moderator etc.?


CC: Ich glaube die Herausforderung ist die gleiche, da es sich immer um ein Ereignis handelt, das nur über andere Kanäle übermittelt wird. Je nach Erfahrung und Kompetenz läuft das besser oder schlechter. Was aber klar ist: Die Kamera verzeiht nichts. Was sich bei einem Live-Format auf der Bühne eher mal verspielt, wird bei einem Online-Format sofort spürbar: Details, Timing, Exzellenz. Ob der Bildausschnitt sitzt, die Person erst lange über eine Bühne gehen muss oder per Kameraschnitt sofort da ist – daran merkt das Publikum, ob es ein schlecht abgefilmtes Geschehen ist oder mit den Kameras gekonnt wie in einer Fernsehshow gearbeitet wird. All das braucht das perfekte Zusammenspiel der Beteiligten.


Bei dir laufen alle Fäden zusammen. Worauf legst du deinen Fokus?


Stellprobe
Stellprobe für den 1. digitalen CDU-Parteitag aus Berlin. Hier werden Wege, Stellungen und Haltungen von Personen auf der Bühne festgelegt. Bild: © Tobias Koch

CC: Proben, proben, proben! (lacht) Was sich aber immer auszahlt: Es muss ein exakter Proben- und Regieplan für die Umsetzung erstellt werden. Beim Schreiben entdecke ich, wo es noch hakt oder Übergänge benötigt werden. Vor Ort bei den Proben müssen dann unbedingt mehrere Schritte durchlaufen werden, wobei die Reihenfolge essenziell ist: Zunächst die Medienübergabe und ein Media Check auf den Präsentationsflächen. Manches sieht man erst auf dem großen Screen und Korrekturen erfordern Zeit! Darauf folgen einzelne Stellproben, um einzelne Szenen mit den Akteuren, Medien und Kameras einzurichten. Dabei achte ich immer schon auf die Übergänge, die spätestens bei einer Durchlaufprobe aufzeigen, ob alles reibungslos ineinandergreifen wird. Die Generalprobe verleiht dann allen Mitwirkenden Sicherheit.


Häufig stehen noch kurzfristig Änderungswünsche von Kundenseite auf der Tagesordnung. Wie gehst du damit um...?


CC: Also, was bis zur Generalprobe nicht geprobt wurde, findet auch nicht (mehr) statt! Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Denn, wenn kurzfristig noch der Ablauf verändert wird, bekommt es doch irgendein Techniker nicht mit und so bilden sich Folgefehler, die in einer laufenden Show nicht ausgemerzt werden können. Zur größtmöglichen Sicherheit eines perfekten Ablaufs macht es einfach Sinn, das geprobte und eingespielte System nicht mehr zu verändern. Wo das ignoriert wird, können sonst Fehler entstehen, die vermeidbar wären.


Wie gehst Du als "Kapitän" mit Problemen um? Meinungsverschiedenheiten sind ja durchaus normal, bzw. wenn während der Live-Sendung etwas schief läuft?


CC: Sehr guter Punkt. Mein Handwerk durfte ich bei "Wetten, dass..?" lernen. Dabei wurde mir klar, dass es das Allerwichtigste ist, Ruhe zu bewahren. Diese strahlt auch auf mein Umfeld aus. Natürlich muss man immer auch einen Plan B (bis Z schmunzelt!) im Kopf haben. Zum Glück hilft irgendwann aber auch die Erfahrung, um auf der Basis eines klaren Fahrplans dennoch spontan reagieren zu können. Tja, und der Ton macht ja bekanntlich die Musik: Daher ist die "cholerische" 80er Jahre Mentalität mein Anti-Bild. Ich kommuniziere lieber mit Freundlichkeit, Wertschätzung aber auch Klarheit. So kommen alle Beteiligten mit- und füreinander zu guten Ergebnissen.


Kannst du noch einmal grundsätzlich den Workflow für eine erfolgreiche Show oder TV-Format zusammenfassen?


CC: Klar, das sind im Großen und Ganzen diese einzelnen Schritte: Konzept und Briefing, Proben- und Regieplan, Media Check, Stellproben, Durchlaufprobe, Generalprobe, Show und Debrief bis hin zum Danke sagen!


Und immer gilt: Asse kann man nur aus dem Ärmel schütteln, wenn sie vorher, wie oben skizziert, in den Ärmel gesteckt wurden (...danke Rudi Carrell für diesen Hinweis!). Dazu braucht es den mit allen Wassern gewaschenen Kapitän auf der Brücke, der weiß, wie das Schiff gesteuert wird. Bei all dem hilft eine gute Portion Mut, trotz maximaler Sicherheit auch mal Spontanes zuzulassen. So entstehen die oft noch besseren Momente, die damit belohnen, noch mehr in Erinnerung zu bleiben. So können wirkungsvolle Begegnungen zu guten Beziehungen führen!


Kostenlos downloaden: Regieplan-Vorlage

7 Tipps für bessere Online-Events: https://www.event-regisseure.de/

Chris Cuhls neuestes Buch: "WHY HOW WOW - WHAT´S NEXT? Events im Wandel“

 

Chris Cuhls ist Event-Regisseur, Konzepter von Corporate wie Public Events und Co-Gründer des Netzwerks für Eventregisseure. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der TV- und Eventbranche zählt er Unternehmen wie Mercedes-Benz, SAP und Telekom zu seinen Kunden. Für bekannte Formate, wie The Dome, Ein Herz für Kinder und Wetten, dass…? war er zudem als Aufnahmeleiter und Producer tätig. Neugier, Kreativität und relevante Ideen treiben ihn an, Begegnungen wirkungsvoll zu inszenieren. Zum Thema Eventgestaltung veröffentlichte er Fachbücher, betreibt einen Blog und hat einen Podcast. Cuhls studierte Medienmanagement an der FH Mittweida und lebt mit seiner Frau und drei Kindern glücklich in Köln. Sein Credo: Exzellenz, Timing, Detail.


www.chriscuhls.de


-Das Interview mit Chris Cuhls führte Claudia Göhnermeier.-


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