Wut-Rede gegen Ignoranz und Befindlichkeitskultur

Ja, es gibt sie noch, die guten alten Leserbriefe! Wir haben diesen hier digitalisiert, aber lesen Sie selbst! Ein rhetorisch-vergnüglicher Parforceritt, der so manchem aus der Seele spricht! Zumindest dem, der denken kann.

Im Rahmen einer Studie von Marktforschung.de ist nachzulesen, dass die Generation der 16- bis 24-Jährigen besonders unter dem Lockdown leidet. Man spricht schon von der "Generation Lockdown!“ und hyperemphatische Bedenkenträger sogar gleich von einer verlorenen Generation.


Anstatt sich und ihr "inneres Kind" auszuleben, trügen gerade die männlichen Jugendlichen nachhaltige Schäden durch die Krise davon. In dem Alter, in dem Menschen am meisten durch ihre Erlebnisse geprägt werden, habe man fast keine; sie könnten nichts ausprobieren, keine neuen Erfahrungen sammeln, sie lebten unter der Käseglocke. Die, die noch zuhause wohnen, würden auf ihre Kinderrolle reduziert. Mehr als die Hälfte vermisst das Treffen und Feiern mit Freunden sehr stark, 45 Prozent sehen im Alltag nur wenig, auf das sie sich freuen, 45 Prozent sind schneller gereizt usw.


Soso, die armen Kinder und Jugendlichen. Aus jeder Ecke melden sich in Pandemiezeiten täglich, eher stündlich allerlei Wichtigtuer und Bedenkenträger, die den politisch Verantwortlichen auf den Wecker gehen. Und mir auch. Man muss kein Freund bräsiger Politstrukturen sein. Aber man sollte auch nicht glauben, dass dort Idioten am Werk sind, die keine Ahnung von all den betroffenen Lebenswirklichkeiten haben und dass nicht in alle ihre Überlegungen mit einbeziehen. Dazu braucht es nicht täglich eine neue Jammerkanonade, die in ihren Auswirkungen auf politische Entscheidungen eher kontraproduktiv ist.


Schon vergessen? Noch vor wenigen Wochen hatten wir fast 1.000 Tote täglich. Während des „Lockdown light“ nach dem alle schon wieder schreien und als es noch keine Mutanten gab. Das Durchschnittsalter auf den Intensivstationen lag bei 60 Jahren und verjüngt sich nun zusehends! Übrigens zum Vergleich: Im Straßenverkehr sterben jährlich „nur“ 2.700 Menschen und was leisten wir uns da für einen Aufwand! Ärzte und Pflegekräfte waren am Limit und unermessliches Leid haben schwere Verläufe und Sterbefälle über viele Familien gebracht. Die Gastronomie, Hotellerie, Veranstaltungswirtschaft u.v.m. bangen um ihre Existenz. Und manchmal ist es gar ein ganzes Lebenswerk, das im fortgeschrittenen Alter komplett unter die Räder kommt. Das, ja das sind Sorgen!

Die tägliche Kakophonie ignoriert lästige Realitäten

Und nun wird darüber schwadroniert, was die armen Kinder und Jugendlichen gerade „mitmachen“. Ja, das ist alles nicht schön. Und für viele Familien hoch belastend.

Doch auch die verwöhnteste Generation überhaupt muss nun einmal Verzicht üben.

So wie viele von uns. Darin liegt auch eine Chance. Ebenso im häufig neu erlebten Familienleben. Es ist Gestaltungskraft gefragt. Und Haltung. Die in unserer Gesellschaft weit verbreitete Lamento-Kultur macht nur unnötig nervös. Der Virus ist nämlich völlig immun gegen Befindlichkeitsgejammer und erst flächendeckende Tests, Impfungen und: Medikamente! werden uns von ihm einigermaßen befreien können.


Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Zeit, als wir nicht von Psychologen, Soziologen und Helikopter-Eltern ins Leben geschmust wurden. Wir waren draußen. Oder drinnen mit zwei Fernsehprogrammen. Haben uns selbst beschäftigt. Waren häufig nicht einmal im Kindergarten. In den 60er und 70 er Jahren gab es Kurzschuljahre, Lehrermangel an Oberstufen und obendrein „schluckte“ der Wehr- oder Zivildienst noch fast zwei Jahre Lebenszeit. Und vor allem hat uns in diesen Jahren niemand ein Abitur „nachgeworfen“.

Wir haben unser Leben völlig normal gemeistert. Von Kriegskindern wollen wir gar nicht erst reden. Und von 151 Millionen unterernährten Kindern unter 5 Jahren weltweit erst recht nicht.


Wer spricht denn einmal von den Älteren, die kein langes Leben mehr vor sich haben und für die jedes im Lockdown verlorene Jahr unwiederbringlich ist? Kinder können und werden das alles problemlos aufholen.


Also: Etwas mehr Gelassenheit tut Not. Und wer lesen und zuhören kann, war schon immer klar im Vorteil. Denn mahnende Stimmen gibt es genug. Unvernünftige Leute allerdings wohl deutlich mehr. Denen hat „früher“ nur kein vernünftiger Mensch eine Bühne gegeben. Heute gilt: Wer will, der darf - per Mikro, Twitter, WhatsApp, Facebook oder Handycam.

Flugs unterstellen einem die vermeintlich „Liberalen“ ein falsches Menschenbild. Wer hat denn wohl den Blick für die Realitäten verloren und macht den Wunsch zum Vater des Gedankens ? Wie weit es nämlich mit der Eigenverantwortung unserer lieben Mitmenschen wirklich her ist, kann man anhand der Müllansammlungen an den Rändern von Autobahnabfahrten trefflich beobachten. An den Infektionszahlen auch. Unter anderem.


Kassandra war eine kluge Frau und Mallorca kann warten


Wer Warnungen ausspricht, ist unbeliebt. Lebt sogar gefährlich. Karl Lauterbach und Christian Drosten können ein Lied davon singen. Sie wurden verhöhnt und angegriffen als Kassandra-Rufer. Sie machen den Feel Good-Menschen angeblich Angst. Was für ein unsagbar dummes Zeug. Lauterbach hatte immer Recht. Ob´s genehm ist, oder nicht. Als kleine historische Nachhilfestunde sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass der Stadt Troja wohl einiges erspart geblieben wäre, hätte man dort besser auf Kassandra gehört.


Das Universalgenie Galileo Galilei wurde von der Inquisition zum Widerruf gezwungen. Den chinesischen Arzt, der früh vor dem Virus warnte, machte man mundtot. Und erst im vergangenen Jahr wurde der Kapitän eines US-Flugzeugträgers kurzerhand seines Kommandos enthoben, als er darauf hinwies, dass sein Schiff in Kürze zu einem Corona-Hotspot werden könnte. Er behielt Recht.


Das interessiert weder die Populisten, die von Partikularinteressen Getriebenen noch die Banalisierer, die sich so wie der Ärztepräsident Klaus Reinhardt oder auch Verbandschef Andreas Gassen im vergangenen Oktober hinreichend blamiert haben. Und trotzdem weiter „talken“ dürfen.


Aber es ist bekanntlich nichts Neues, dass inkompetente Menschen oft das größte Selbstbewusstsein haben und: besonders laut sind! Das sind die Schwadroneure, denen wir fast täglich in den Talkshows, im Netz und sogar im Freundeskreis begegnen. Sie wiederholen unaufhörlich die gleichen Phrasen, faseln von urplötzlich wiederentdeckten „Bürgerrechten“, dichten aber ihre Ignoranz oder Wichtigtuerei knallhart ab gegen die Wirklichkeit. Es ist wie auf der Titanic: Die lief auch auf den Eisberg auf, weil nicht sein durfte, was nicht sein sollte.


Wir haben mittlerweile fast 80.000 Corona-Tote und gleichzeitig einen Sturmlauf gegen den Lockdown, der völlig irrational ist. Ja, natürlich sind wir alle genervt. Natürlich wurden politische Fehler gemacht. Aber das darf nicht dazu führen, dass wir jetzt in Sichtweite von Lösungen die Nerven verlieren und das mühsam Erreichte gegen eine weitere Welle von Schwerkranken und Toten eintauschen. Von den „armen Kindern und Jugendlichen“ wird bald niemand mehr reden. Aber die Toten und chronisch Kranken, die vernichteten Existenzen und der volkswirtschaftliche Aderlass – das wird uns alles noch lange begleiten. Mallorca kann jedenfalls erstmal warten. Zumindest, wenn man alle Latten am Zaun hat. Huch: Jetzt habe ich doch vor lauter echten Sorgen glatt vergessen, in diesem Beitrag die Sprache politisch korrekt zu gendern! Und zu verhunzen.


(Verfasser ist der Redaktion bekannt)

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