Re.Start. Szenarien und Trends für „die Zeit danach“.

Über die Veränderungen in der Event-Branche ist in den letzten Monaten viel geschrieben worden. Über Disruption und über die in Blitzeseile erfolgte Umstellung auf digitale Formate. Mit all ihren Sonnen- aber auch Schattenseiten.

Zukunft
Gerd Altmann - Pixabay.com

Nun ist es an der Zeit, den Blick nach vorne zu wenden und zu diskutieren, was in naher Zukunft passieren wird. Was ist das „neue Normal“, wie werden Präsenzveranstaltungen aussehen? Mit welchen Trends muss jeder Eventmanager vertraut sein? Und was erwarten Eventbesucher in Zukunft, wenn sie eine Einladung annehmen?


Dreizehn Thesen haben wir zu diesem Themenkomplex in der „Masterclass Event & Marketing“ aufgestellt, einige der wichtigsten möchte ich Ihnen heute vorstellen.


# 1: Digitale Formate die wenig Interaktion bieten, werden nur in der Nische überleben.


Ein bisschen Zeit für Q&A, dazu ein digitaler Chat – das versteht man in vielen digitalen Formaten unter Interaktion. Auf diesem Niveau kommt aber kein echter Austausch, keine Interaktion zustande. Wir nennen solche Formate „Watch & Chat“ und glauben, dass sie im „neuen Normal“ schnell wieder verschwunden sein werden. Überlebenschancen haben sie nur beim „Inhouse-Einsatz“, als Pausenfüller zwischen realen Events oder bei Gruppen, die sich bereits gut kennen und dieses Tool lediglich zur Kontaktauffrischung nutzen. Als eventives Format hingegen sind sie chancenlos, denn neben dem notwendigen Austausch fehlen ihnen auch noch Multi-Sensorik und der für Events unverzichtbare Erlebnis-Charakter.


# 2: Klassisches Hybrid ist Zeit- und Geldverschwendung.


Viele nehmen an, dass in Zukunft Events regelmäßig hybrid durchgeführt werden. Die Verlockung ist groß, die in den digitalen Monaten gesammelten Erfahrungen zu nutzen, um physikalisch stattfindende Events zu verlängern und so Kosten zu sparen – bei gleichzeitiger Erhöhung der Reichweite. Das ist jedoch ein Irrglaube. Klassisch gedachte Events, die das Eventgeschehen per Live-Stream übertragen, funktionieren nicht. Das tatsächliche Erlebnis findet ausschließlich im realen Event statt, die im Netz zuschauenden Interessenten schalten nach kürzester Zeit gelangweilt ab. Nur Formate, die im modernsten Sinne hybrid geplant und durchgeführt werden, können beide Zuschauergruppen begeistern. Wie aufwändig das ist, kann man bei Live-TV-Shows sehen. Wer versucht, mit geringerem Aufwand hybrid zu sein, wird damit scheitern.


#3 Die Nähe kehrt mit Macht zurück.

Was hat den Menschen während Pandemie und Lockdown am meisten gefehlt (vom Toilettenpapier mal abgesehen)? Richtig, Nähe. Und zwar Nähe jeder Art. Körperliche, in Form von gemeinsam erlebter Atmosphäre, Nähe bei Emotion, wie gemeinsames Lachen oder Gänsehaut spüren. Und natürlich auch das gemeinsame Feiern. Alles das wird von Gästen realer Events in der nahen Zukunft eingefordert werden. Eventmanager sind also gut beraten, Nähe aktiv zu fördern. Zum Beispiel durch Raumgestaltung, Dramaturgie, Abläufe und Gruppenbildung. Um nur einige Möglichkeiten zu nennen.


#4. Alle wollen in die Ferne schweifen.


Auch der geliebte Tapetenwechsel gehört zu den Opfern der Pandemie. Monatelang auf Zuhause und Arbeitsplatz beschränkt, drängt es die Menschen „woanders hin“. Events, die also „woanders“ stattfinden, erfüllen so ein wichtiges Grundbedürfnis. Tatsächlich werden sich Reisen im geschäftlichen Kontext in naher Zukunft hoher Beliebtheit erfreuen und zwar in jeder Form. Angefangen von Ausflügen ins deutsche Umland bis hin zu den so arg vermissten Europäischen Destinationen werden Events an „anderen“ Orten den lange vermissten Gegenpol zum Zuhause bilden. Aber auch besondere Locations im Heimatort können dieses Bedürfnis erfüllen. Hauptsache Meeten, Präsentieren oder Zelebrieren „Überall, nur bitte nicht da, wo ich die letzten 12 Monate war“.

#5. Digital detox.

Seien wir ehrlich, so sehr uns digitale Tools, Helfer und Formate aus Überzeugung oder aus der Not heraus begeistert haben, so sehr gehen sie einem in Teilen (und immer in der Überdosis) auf die Nerven. Events und andere Formen der Live-Kommunikation werden in den kommenden Monaten oft ganz bewusst auf Analoges setzen. Ob Natur, Materialeinsatz, Haptik – vieles wird sich durch weglassen unterscheiden und den Eventbesuchern Wertschätzung für alles geben, was man nicht nur sehen und hören, sondern auch fühlen und spüren kann. Integrieren Sie das unbedingt in Ihre Veranstaltungen. Ihre Gäste werden es Ihnen danken.


Events im „neuen Normal“ werden noch auf einige Zeit nicht so normal sein, wie wir es jahrzehntelang erlebt und genossen haben. Abstand, Hygiene und vielleicht auch Maske werden unsere stetigen Begleiter sein, aber in dem Moment, wo Menschen wieder real aufeinander treffen, schlägt die Stunde der Eventmanager. Auch mit Maske kann man genießen, feiern und Gänsehaut haben. Wichtig ist nur, dass Sie als Eventplaner die sich klar abzeichnenden Trends kennen und in Ihre Veranstaltungen integrieren. Viel Erfolg im „neuen Normal“.


Über den Gastautor

Bild: Michael Namberger

Matthias Kindler ist international gefragter Keynote-Speaker und Berater für Live-Kommunikation, Marken-Erlebnisse und Event-Marketing. Als erfahrener Juror, hochdekorierter Kreativer sowie Buchautor und Redner gehört Matthias Kindler zu den profiliertesten Experten im Bereich Markeninszenierungen im deutschsprachigen Raum.


In der vor 10 Jahren gegründeten Masterclass Event und Marketing gibt Matthias Kindler sein Wissen in Seminaren, Workshops und Inhouse Trainings an professionelle Eventmanager aus Unternehmen, Verbänden und Agenturen weiter. Unter dem Namen Re.Start bietet die www.masterclass-event.de regelmäßig Seminare zum Thema Trends an.


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